Diskussionskreis wieder aufgenommen

Am 21. Januar starten wir mit grosser Freude in eine neue Runde des deutschsprachigen Diskussionskreises.

Es geht lost um 19:30 im Gemeindehaus mit dem Film „Schmugglerzüge“

Predigt 17. Januar 2021

Predigt über Römer 12: 1-8 am 2. Sonntag nach Weihnachten, den 17-1-21 in der Kreuzkirche Addis Abeba

1 Ich ermahne euch also Brüder aus der Barmherzigkeit Gottes heraus: Bringt eure Körper als lebendige, heilige Opfer dar, das Gott wohlgefällt. Das sei euer vernunftbegabter Gottesdienst. 

2 Seid dieser Welt unangepasst, lernt in immer neuen Weisen zu denken, damit ihr in eineandere Form kommt durch Veränderung eures Sinnes, indem ihr prüft, was der Wille Gottes ist. Das sind das Gute, das, was Gott entspricht und das, was zu einem Ziel führt.

3 Ich sage dies jedem unter euch wegen der Gnade, die mir gegeben ist; überschätzt euch nicht in dem, was richtig eingeschätzt werden muss, sondern besinnt euch auf das Besonnen sein, so wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat.

4 denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben – obgleich dennoch die vielen Glieder nicht nur für dieselbe Aufgabe da sind – 

5 so sind wir die vielen im Leib in Christus, untereinander ist einer das Glied für den anderen.

6 Wir haben unterschiedliche Gnadengaben durch die Gnade, die uns gegeben ist: Hat einer eine prophetische (Gabe), so verwende er sie in Übereinstimmung mit dem Glauben.

7 Hat jemand eine diakonische Gabe, so (übe er sie) im Dienen aus; ist jemand ein Lehrer, so tue er dies in der Kunst des Lehrens;

8 ist jemand ein Tröster, so tue er es in der Kunst des Tröstens. Wer gibt, tue es in gutem Willen; wer leitet, tue es mit Eifer; wer sich erbarmt, tue es mit Heiterkeit.

Liebe Gemeinde,

„Eine kleine Raupe kriecht von Blatt zu Blatt. Lässt es sich gut schmecken, frisst sich richtig satt.

Einmal wird die Raupe satt und müde sein. Spinnt sich ein ins Häuschen und schläft darin ein. 

Aus der kleinen Raupe, klein und so gering wird, wenn sie erwacht, ein bunter Schmetterling. 

Fliege kleiner Falter, du bist wunderschön. Alle stehn und staunen, wenn sie dich so sehn.“

Einer schreibt: „Wenn sich die Raupe verpuppt, so dachte ich immer, wachsen im Kokon Flügel, Beine und Fühler an den Raupenkörper. Doch so ist es nicht. Eine Raupe häutet sich in ihrer Puppe und löst sich allmählich völlig auf.“

Im Fachjargon nennt man das Metamorphose und genau dieses Wort taucht in unserem griechischen Bibeltext auf. Auf Deutsch: „damit ihr in eine andere Form kommt“. Unsere Verwandlung. Bei Kafka war es ein Käfer.

Metamorphose ist nicht eine bessere Pubertät: Organe der Larve werden abgestoßen. Komplett Neues entsteht. 

Im Netz wird nun dieses Bild gerne aufgegriffen, um für Persönlichkeitsentwicklungsprodukte der verschiedensten Art – geldwert versteht sich – zu werben. In Zeiten von lockdowns sicher ein gutes Geschäft. 

Neu ist das nicht. Schon in der griechischen Sage, die dem Schreiber unseres Textes, Paulus und seinen Adressaten in Rom bekannt waren, gibt es Verwandlungen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Meistens waren es Götter und immer waren es sehr eigennützige Aktionen: So verwandelt sich der Götterkönig Zeus in einen Stier, um an die schöne Europa heranzukommen. 

In unsrem Text geht es aber nicht um Metamorphosen, Verwandlungen, die nur unseren Interessen zu dienen haben. 

Der Text geht weiter: „damit ihr in eine andere Form kommt“ und dann: „durch Veränderung eures Sinnes, indem ihr prüft, was der Wille Gottes ist.“ ‚Veränderung durch Nachforschen: Gott, was willst du ?‘ Eine Persönlichkeitsveränderung auf drei Ziele zu: Das Gute, das, was Gott entspricht und das, was zu einem Ziel führt. Metamorphose. In eine andere Form kommen. Nichts mehr zu lassen, wie es ist.

Wann war Ihr letzter Gottesdienst ? Und jetzt brauchen wir keinen Kalender, denn die Voraussetzung der Verwandlung ist nicht eine Stunde in der Woche in einer Kirche, sondern die Zeit von Sonntag 12.00 Uhr bis sonntags 11.00 Uhr. 

Und da werden folgende Veränderungen eingeübt: Statt Leistung – Gnade; Vergebung statt Rechthaben; an die Stelle von herrschen tritt dienen; nicht mehr everybody’s Darling, sondern Anstoß wagen; Zurückhaltung statt Geltungsdrang; vorbei mit Effekt erheischen, jetzt gilt Weitblick. Gott, was willst du ?

„Seid dieser Welt unangepasst, lernt in immer neuen Weisen zu denken, damit ihr in eine andere Form kommt durch Veränderung eures Sinnes, indem ihr prüft, was der Wille Gottesist.“

Metamorphose: Mit Gott Zeit verbringen.

Grundlage für diese Vernunftveranstaltungen ist die Barmherzigkeit Gottes. Die breitet sich derart aus, dass sich mein Horizont ständig für seine Realität weitet. Ohne die Barmherzigkeit Gottes kann ich als Christ nicht denken. 

Denken geschieht ja nie isoliert, es geschieht in bestimmten Vorstellungen, Erfahrungen, Fantasien und vielem mehr. Denkt in den Denk Koordinaten der Barmherzigkeit ! Wer von der Barmherzigkeit Gottes her denkt, feiert einen vernünftigen Gottesdienst.

Das nennt Paulus vernunftbegabte Gottesdienste. Auf Griechisch: logisch. Wieder ein Fachbegriff der Philosophen. Alles sollte dort auf die Vernunft ausgerichtet sein. Das, was mit dem Denken zu erfassen sei. Der Körper hingegen war für die meisten ein Gefängnis, aus dem es Seele und Vernunft zu befreien galt. Vernunft statt Leib, der als notwendiges Übel gesehen wurde. 

Und genau diesen Körper beschreibt Paulus als Instrument eines vernunftbegabten Gottesdienstes. Ohne Körper keine Vernunft. Mehr noch: Wer mit dem Körper Gott dient, handelt der Vernunft entsprechend. Körpereinsatz befördert die Vernunft. Ein klarer Bruch mit diesen Philosophen damals wie heute.

„Besinnt euch auf das Besonnen sein.“ Da ist er den Philosophen wieder nahe. Unbesonnen sein, das bedeutet doch: Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne an die Folgen zu denken. Das mussten wir vor einigen Tagen miterleben, als ein amtierender Präsident zum Gang zum Kapitol aufforderte. Besonnen sein geht anders. War aber vermutlich auch gar nicht gewollt. Vielleicht hätte er die Bibel auch einmal aufschlagen und lesen müssen, die er damals vor laufende Kameras hielt.

Dann kommt das Bild vom Körper, das übrigens auch aus der Philosophie stammt. Der hat viele Teile oder Glieder. Keiner kann alles, jeder braucht den anderen. Leicht zu begreifen. Leider buchstabieren wir das gerade sehr schmerzhaft im Negativen durch: Wenn einer krank ist, bringt er andere möglicherweise in Lebensgefahr.

Paulus freilich beschreibt es positiv: „So sind wir die vielen im Leib in Christus, untereinander ist einer das Glied für den anderen.“

Um mit den verschiedenen Aufgaben, die es da gibt, durchzustarten.

„Welchen Beruf muss man erlernen, wenn man in der Kirche arbeiten will ?“, fragte die Pfarrerin die Konfirmanden. Schnell waren genannt Pfarrer, dann Organistin, langsam auch der Mesner, aber dann war Schluss.

Willkommen in der Kreuzkirchengemeinde Addis Abeba ! Wir brauchen Sie alle ! Sie sind eine rauschende Quelle von Talenten und Begabungen ! Entdecken Sie Ihre Potentiale mit uns ! Nutze das, was dir gegeben ist ! Setze es ein zum Lobe Gottes ! Behalte deine Begabungen nicht für dich ! Raus mit den schlummernden Gaben ! Rein in die Praxis ! Packt aus, was Ihr drauf habt !

Paulus nennt Beispiele: Leute, die sagen, was im Namen Gottes dran ist. Sie sollen es aber in Übereinstimmung mit dem Glauben sagen.

Jemand, der sich für nichts zu schade ist – er soll dienen, nicht herrschen.

Der Lehrer wird genannt – im englischsprachigen Bereich heißt der Kindergottesdienstmitarbeiter Sonntagsschullehrer. Wir brauchen Sie für diese Aufgabe ! „In der Kunst des Lehrens“ sollen Sie das tun !

Der Tröster, der Seelsorger, der Zuhörer – nicht der Dampfschwätzer, der Dauerredner, der gerne mit den eigenen Beispielen kommt, um sich nach vorne zu rücken und somit den Ratsuchenden stumm macht. Der tue es in der Kunst des Tröstens.

„Wer gibt, tue es in gutem Willen.“ Ist es angemessen, wenn bei zehn Leuten eine Kollektevon 550 Bir zusammenkommt ? Über die Kollekte in Mazedonien schreibt Paulus: „Obwohl sie sehr arm sind, haben sie doch reichlich gegeben in aller Lauterkeit.“ Guter Wille, schreibt Paulus hier. 

Dann – zwischen Geld geben und Armenfürsorge – kommt die Gemeindeleitung. Nichts Abgehobenes. In der Rechtssammlung der Evangelisch – Lutherischen Kirche in Bayern wird die Größe der Amtskreuze festgelegt, also welche Schenkellänge das Amtskreuz eines Dekans, eines Regionalbischofs und das des Landesbischofs betragen darf. Natürlich auch das des Diakoniepräsidenten, damit er weiß, in welcher Größe er zu dienen hat. Man beachte: Geld geben, also zum Beispiel in die Kollekte geben, wird vor Kirchen Leitung genannt.

Dann kommt das diakonische Handeln, das soziale Tun, das sich Erbarmen. Nichts von wegen zusammengekniffene, schmale Lippen, die von den Nöten sprechen. Das Wort gibt es gar nicht im Duden. Das hat man sich wohl für bestimmte Anlässe selbst geschaffen, um die eigenen Krokodils tränen besser platzieren zu können. Da gefällt mir Paulus besser: „Wer sich erbarmt, tue es mit Heiterkeit.“

Heiterkeit und Vernunft – eine schöne Klammer unseres Textes.

So geht Verwandlung – und am Schluss kommt etwas ganz anderes heraus:

„Fliege kleiner Falter, du bist wunderschön.

Alle stehn und staunen, wenn sie dich so sehn.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

9. Musikstück, gespielt von Chiharu Mitsuoka, Oboe; Ingo Haberl, Klavier und Gesang

8.Musikstück, gespielt von Chiharu Mitsuoka, Oboe; Ingo Haberl, Klavier

Predigten

Vorstellung Pfarrer Johannes Löffler

Esslingen, 28-5-20

 Grüß Gott und einen guten Tag,

mit großer Freude habe ich meine Beauftragung zum Dienst bei Ihnen in der Kreuzkirchengemeinde in Addis Abeba erhalten. 

Einige von Ihnen durfte ich vor einigen Wochen im und nach dem Gottesdienst dort kennen lernen. Umso mehr bin ich gespannt auf eine gemeinsame Zeit von Juni bis Juli und von September bis Juni nächsten Jahres.

Wie manch andere haben meine Frau und ich Ostafrika sehr schnell verlassen, wir hatten in der Kenya Evangelical Lutheran School im Bildungsbereich gearbeitet. Ich war in  der deutschen Gemeinde im Kirchenvorstand, aus dem ich schweren Herzens ausgeschieden bin.  

In den Jahren 1989 bis 1998 waren wir in Tanzania in zwei lutherischen Kirchen tätig. 

Wir haben vier erwachsene Kinder, die wir jetzt immerhin leicht besuchen können. Meine Frau kommt aus Esslingen, ich aus Erlangen, ich bin bayerischer Pfarrer.

Meine Frau wurde für das kommende Schuljahr von der deutschen Schule in Nairobi angefragt, wo sie bereits mit einem Honorarvertrag arbeitet, derzeit über Video. 

Unsere Ausreise ist wie vieles von der Entwicklung der Pandemie abhängig. Wir hoffen, dass das Warten nicht zu lange dauert.

Bis dahin möchte ich per PC, Videoschalten eingeschlossen, so gut und effizient wie möglich mitarbeiten. Ich freue mich über Rückmeldungen und Kontaktaufnahmen. Mit dem Kirchenvorstand möchte ich bald ein Arbeitsprogramm erarbeiten. 

Lassen Sie uns zusammenhalten in dieser schwierigen Zeit und die Gemeinde so gut wir können unterstützen in dem Wissen, dass Gott es ist, der uns alle trägt.

Für den Pfingstmontag habe ich meine Predigt in die Ablage gelegt. Bis Ende Juni wird dankenswerterweise Pfarrer Steffens Sonntagspredigten veröffentlichen und die Geburtstagskorrespondenz führen. 

Gott befohlen

Ihr

Pfarrer Johannes Löffler